Barbara hat gesagt, ich müsste unbedingt (doch schon wieder) einen Newsletter schreiben! Nämlich darüber, dass die fac e.V. (Freie Ausstellung Coburg) – der gemeinnützige, offene Kunstverein – ihr steinle eröffnet hat. Im Steinweg 8, dort, wo in Interimsnutzung bis Ende April noch der Schauplatz zu finden war. Ein Pop-Laden in einem Leerstand, in dem es regionale Produkte, Ausstellungen und Kulturveranstaltungen zu sehen, erleben, verstehen, besuchen, besprechen, kaufen etc. gab.
Und da hat am Samstag nun das steinle eröffnet, es setzt das Konzept noch ein Stück offener, jünger und kulturorientierter fort. Als wir es am fortgeschrittenen Abend auch endlich zur Feier geschafft haben, knapp vor dem Umfallen für wenigstens ein Getränk und ein bisschen Überdiesunddas-Talk im Stehen, waren zwar nur noch Leute vom fac selbst da, die getanzt, geschnackt und gefeiert haben. Aber was heißt da eben: nur? Was könnte, sollte, müsste diese kleine Stadt froh sein, dass es sie gibt: junge Menschen, vor allem Studierende, die Räume suchen und besetzen, um eben nicht unter sich zu bleiben, sondern für alle und alles Mögliche einen Kulturraum zu schaffen.
Aber was glaubt ihr: Wie viele Offizielle, Stadträt*innen, Bürgermeister usw. haben sich dort blicken lassen, wenigstens für 15 Minuten, um der fac zu zeigen, dass sie wahrgenommen werden oder wertgeschätzt sogar? Na wenn er schon so doof fragt, werden es nicht so viele gewesen sein. Ja, genau. Null nämlich. Wobei wir jetzt mal einräumen würden, dass die jungen Leute vom Verein vielleicht auch nicht alle Volksvertreter*innen auswendig kennen. Andererseits: Welche(r) Kommunalpolitiker*in würde zu so einem Anlass gehen und nicht möglichst nachhaltig Eindruck hinterlassend Hände schütteln?

Ja, richtig, es ist zu billig, dieses ganze Nichtwahrnehmen und Wichtigereszutunhaben wieder denen in die Schuhe zu schieben, die sich immerhin für die kommunale und gemeinschaftliche Sache einsetzen. Das darf gerne auch in die Schuhe aller anderen hinein, die generell über innerstädtische Ödnis, JugendnurnochamHandy, Zerfallserscheinungen in der Gesellschaft usw. usf. klagen. Und – auch immer wieder gerne gehört – darüber, dass man „von den ganzen Studenten hier in Coburg irgendwie gar nix mitkriegt“.
Leut*innen, weder müsst ihr in den nächsten drei Monaten beim Karaoke-, Vereins- oder Spieleabend, auch nicht bei deren Jam Nights mitmachen, und auch nichts kaufen beim samstäglichen steinle-Markt. Aber einfach mal vorbeischauen und euch dann noch den Ruck geben, so eine Tür zum nicht hundertprozentig bekannten Dahinter aufzumachen, das sollte schon drin sein. Und die dann einfach mal anquatschen von der fac und hören, wie sie diese Stadt und ihre Möglichkeiten sehen. Macht das am besten gleich morgen, denn drei Monate sind schneller vorbei als man denkt. (Hier findet ihr die fac online!)
Apropos Möglichkeiten: Jetzt müssen wir natürlich trotzdem auch noch auf unser Café zu sprechen kommen. Dort hat sich, wie wir vergangene Woche schon berichtet haben, ja die Wochenkarte so ein bisschen umstrukturiert. Und in dieser Woche haben wir es nun auch geschafft, das alles richtig übersichtlich zu gestalten – schaut mal, hier: klickt auf diese Zeile, dann entblättert sie sich!
P.S.: Kultur haben wir kommenden Monat übrigens auch wieder im Ribollita: Im Rahmen der Pride Weeks des CSD Coburg liest Dennis Pfefferkorn bei uns am Donnerstag, 18. Juni, aus seinem Debütroman „Sage mir, Muse“. Anschließend wird zu einem Gespräch über queere Literatur eingeladen. Auch hier empfehlen wir: Ruhig mal die Tür aufstoßen, zu diesem vielleicht noch unbekannten Dahinter!




