Geschmolzenes Glück

„Ah, du magst keine Sardinen. … Zu fischig? Zu salzig? Oder meinst du vielleicht Anchovis?“ Sind wir mal ehrlich: Viele von uns sind sich gar nicht so sicher, von welchen kleinen Fischen auf der Pizza oder auf der Fleisch-trifft-Meeresfrüchte-Platte beim Griechen sie lieber Abstand halten. Gemeinsam haben die aber, dass man sie irgendwie alle nicht mag. Oder?

Klären wir zuerst einmal die Begriffe: Sardellen sind eine ganze Familie der Heringsartigen – fast überall in den gemäßigten und tropischen Klimazonen zu Hause, zwischen 2 und 41 cm lang, rund 140 Arten werden unterschieden.

Anchovis sind eigentlich nichts anderes als (Europäische) Sardellen. Allerdings verstehen wir darunter in der Regel die filetierten, in Salz eingelegten, fermentierten Fischchen, die vor allem zum Würzen und Verfeinern aus dem Glas geangelt werden. (Schmecken aber auch auf Butterbrot!)

Wenn die Sardellen in SpongeBob Schwammkopf ihren Auftritt haben, dann meistens in Massen. Wofür ist man schließlich Schwarmfisch?

Sardinen hingegen gehören zwar ebenfalls zu den Heringsartigen, sind jedoch größer, haben ein mürberes Fleisch und landen fast immer als Ganzes und gerne noch mit Gräten auf dem Teller. Frittiert, gegrillt oder in Deutschland zumeist aus der Öldose.

Die Sardelle in der italienischen Küche macht sich hingegen meist „unsichtbar“: „Im besten Fall bemerkt man die Anwesenheit einer Sardelle nicht. Man fragt sich bloß die ganze Zeit, was hier eigentlich so sagenhaft gut schmeckt“, so wird es auf splendido-magazin.de absolut zutreffend beschrieben (unter diesem Link finden sich noch einige Infos mehr zum Themen Sardinen/Sardellen usw.).

Und das trifft auch auf unser Gericht vom Mittwoch dieser Woche zu: Linguine mit Sardellen und Walnüssen (aus unserem eigenen Garten). Über die eine Stammkundin bei der Premiere vor ein paar Wochen sagte: „Das müssen Sie jetzt unbedingt öfters machen!“ Gerne! Ein so ungewöhnlicher, kräftig würziger und fast schon süchtig machender Mix, den jede(r) wenigstens einmal ausprobiert haben sollte! Auch auf die Gefahr hin, dass die eigenen Vorurteile über die kleinen Fische so ein wenig dahin schmelzen.

Außerdem in dieser Woche u.a. auf unserer Speisekarte: Kürbis mit Pasta und Salbeibutter oder öl, aber auch Kürbis (aus dem Ofen) in der Linsensuppe, die wunderbaren Pasta alla genovese mit dem lange geschmorten Rindfleisch-und-Zwiebel-Ragù sowie eine Erbsen-Kartoffel-Suppe mit Minze. Der Rest findet sich wieder hier auf unserer Homepage.

P.S.1: Gleich in der ersten Folge der legendären Zeichentrick-Serie SpongeBob Schwammkopf haben Anchovies einen denkwürdigen (Massen-)Auftritt. Die unhaltbare Reaktion von Mr. Krabs auf sie: „Dieser Gestank, dieser stinkende Gestank, dieser stinkende Gestank, der stinkt.“

P.S.2: Über die Geschichte der Ölsardine und das besondere Verhältnis der Franzosen zu ihr gibt es hier einen tollen Karambolage-Beitrag von ARTE.