Dass die Ohren mit dem Alter zwar größer, aber nicht besser werden, davon hat man gehört. Fragt sich nur, ob man dann auch hören will, wenn einem die Menschen, die dir noch öfters was erzählen möchten, dir eines Tages ein Hörgerät ans Ohr labern wollen. Wie sehr die von Mutter Natur in meinem Kopf verbaute Akustikanlage in den letzten 55 Jahren gelitten hat, darüber kann ich nur spekulieren. 500, 600 Livekonzerte waren es bestimmt. Und von dem trommelfellerschütternden Scheppern, als der eine von den Einstürzenden Neubauten Ende der 80er im Erlangener „E-Werk“ seinen mikrofonierten Percussions-Einkaufswagen plötzlich einfach umgeworfen hat, hatte ich noch am Tag drauf was.
Das Ergebnis vom letzten Hörtest war aber nicht schlecht. Doch an fast jedem Öffnungstag unseres Cafés kommen mir Zweifel. Immer in der gleichen Situation: Wenn Gäst*innen gegen Ende des Bezahlvorgangs den Betrag des Trinkgelds nennen, das sie geben wollen. Ich muss ständig nachfragen. Weil natürlich kein Mensch „zwo“ sagt, um den Zweidreibrei zu vermeiden. Weil viele noch während des Trinkgeldgebens am Rechnen sind und entsprechend introspekalkulativ kommunizieren.
Vor allem aber, so scheint es, weil sich die Gebenden unsicher sind. Dass es ausgerechnet in Deutschland keine festen Regeln für die richtige Trinkgeldhöhe gibt, ist ein anarchistisches Wunder. Aber ohne Protokoll wird’s dem Deutschen halt auch schnell awkward. Außerdem – auch wenn die jüngeren Leute dieses arbeitnehmerfeindliche heimische Tabu immer weiter aufbrechen: Über Geld spricht man nicht! Und das Ergebnis dieser verunsichernden Gemengelage mündet dann eben in Gemurmel.
Umso lauter und sehr deutlich möchten wir auf unsere neue Karte hinweisen: Kürbispasta mit Salbeibutter (oder Salbeiöl) gibt es als Wochengericht, am morgigen Dienstag einen lauwarmen Brotsalat mit Hülsenfrüchten, Karotten und Radicchio, außerdem Pasta con le cipolle und Gnocchi mit Datteltomaten-Sugo, reichlich Lieblingsgerichte also. Und am Freitag und Samstag Harira – die traditionelle marokkanische Suppe mit Kichererbsen, Linsen, Tomaten, kurzer Pasta und Koriander.
Außerdem haben wir am Valentins-Samstag ein kleines Frühstücksspecial: Warmen Milchreis mit selbst gemachter Kürbis-Orangen-Marmelade, Zimt und gerösteten Mandeln, vegan und glutenfrei. Hier findet ihr die komplette Wochenkarte – klickt hier!




