Montagabend kurz nach sieben und es müssen gleich zwei Sachen erledigt werden: Ein Newsletter verfasst und die Belege und Quittungen vom Januar eingescannt und erfasst werden. Das eine macht Spaß, wenn es denn mal läuft, man muss dazu aber in die richtige Stimmung kommen. Das andere macht keinen Spaß im klassischen, kindlich anerkannten Sinne. Dafür läuft es von allein, selbst bei hartnäckigem Halskratzen oder einem dieser aktuellen „Tatorte“ mit dummem Drehbuch als Hintergrundbeschallung. Scan-scan, tipp-tipp.
Die passende Stimmung kommt da ganz von selbst, jede(r) von uns kennt solches Arbeiten. Bei dem funktioniert man so vor sich hin und wird: angenehm stumpf. (Andreas Dorau hat sich diese Formulierung und ein passendes Lied dazu ausgedacht – klickt auf diese Zeile, dann könnt ihr es hören!)
Beim kurzen Weg aus dem OG an den Esstisch behopste mich gerade der alberne Gedanke, wie es denn wäre, einfach mal den Newslettertext einzuscannen und im Gegenzug die Vormonats-Belege in freier Autorenschaft verfassen zu dürfen. Also: Einfach alles über den Scanner ziehen, was so an Pastaempfehlungen, kürzlichen Thekengesprächen und interessanten Beobachtungen aufgelaufen ist und fertig ist der Newsletter. Gekauft! Sich dann aber für 70, 80 oder 90 Belege einzeln ausdenken zu müssen, was man wo zu welchen Preisen und Steuersätzen in die Einkaufstaschen gepackt hat? Klingt nach einer eher unangenehm stumpfen Aktivität.
Was mir an dem wunderbar unbrauchbaren Einfall aber sehr gefallen hat: Er hat mir noch auf Treppe gezeigt, dass ich, wenn auch ohne konkrete Letter-Idee, wohl schon im richtigen Modus angelangt war. Diese Stimmung, über deren Charakter, Voraussetzung oder Benennung ich mir nie groß Gedanken gemacht habe, bis irgendein Internet-Algorithmus mir letzte Woche einen Vortrag von John Cleese aus dem Jahr 1991 zugespielt hat.
Der große Autor, Schauspieler und Komiker sollte damals über „Kreativität im Management“ sprechen und verwies dabei auf einen kalifornischen Psychologen namens MacKinnon, der festgestellt hatte, dass kreative Menschen die Fähigkeit hätten, sich in eine bestimmte Stimmung zu versetzen, in „a way of operating“. Und er beschrieb diesen offenen Modus als „kindlich“, als einen Spieltrieb, der keinen praktischen Zweck verfolgte. Sie „spielten um des Spielens willen“.
Das war nicht mein einziger „Oha!“- oder „Genau!“-Moment in diesem Vortrag. (Hier findet sich das komplette Transkript.) Ich dachte aber auch, dass es dringend notwendig wäre, mehr Menschen mit dieser Fähigkeit an die besonders schweren und großen Tische zu holen, soll das noch mal was werden mit Gleichberechtigung, ÖPNV, sozialem Frieden, Umweltschutz usw. Weil es die, die das nicht können, alleine nachweislich nicht hinkriegen.
In der Küche ist dieser offene Modus hingegen nur dann zu gebrauchen, will man neue Kreationen ausprobieren. Dafür fehlt uns in dieser Woche eigentlich die Zeit (u.a. wegen Reservierungen und dem nächsten Musikquiz, das dafür sorgt, dass es am Donnerstag auch nur bis 16 Uhr warmes Essen im Ribollita gibt). Aber trotzdem gibt es ein neues Gericht: Tagliattelle con crema di cannellini, also mit einer veganen Creme aus Cannellinibohnen, Pfeffer und Zitrone. Außerdem gibt es Fusilli mit Blumenkohl und Parmesan (auch vegan möglich) als Wochengericht, eine dicke Linsensuppe mit Kastanien und Gemüse und Pasta mit Salsiccia, Tomaten, Rotwein und Lorbeer am Donnerstag. Hier findet ihr das komplette Programm.




